Die Medard Boss Dozentur

Die Medard Boss Dozentur des Österreichischen Daseinsanalytischen Instituts holt internationale Expertinnen und Experten aus den Bereichen phänomenologischer Philosophie, Psychiatrie und Psychotherapie sowie damit verwandten Gebieten nach  Wien. Sie ist eine Plattform und ein Gesprächsraum für die Traditionen und neuen Entwicklungen in diesem interdisziplinären Begegnungsfeld, das in der Gegenwart zunehmend an Bedeutung gewinnt. Die Dozentur wird in Zusammenarbeit mit universitären Einrichtungen veranstaltet, derzeit mit dem Philosophischen Institut der Universität Wien.

Francesca Brencio: The dialectics of clinical phenomenology - promise, limits, and the space between

NOVEMBER 2026

Das Daseinsanalytische Institut freut sich, Francesca Brencio im kommenden Wintersemester in Wien im Rahmen der Medard Boss Dozentur begrüßen zu dürfen.

Wann: 19.11.2026

Wo: Philosophisches Institut, Universität Wien

Aktualisierte Informationen auf der Veranstaltungsseite:

Holger Zaborowski: Tod und Sterblichkeit

JUNI 2026

Holger Zaborowski ist Professor für Philosophie an der Theologischen Fakultät der Universität Erfurt. Schwerpunkte seiner Arbeit sind Religionsphilosophie, politische Philosophie, Phänomenologie und Hermeneutik. Er ist u. a. Mitherausgeber des Heidegger-Jahrbuches und der Martin-Heidegger-Briefausgabe. Er ist Mitglied im Vorstand der Martin-Heidegger-Stiftung, des Comité scientifique des Bulletin Heideggérien (Bhdg), des Editorial Board der New Heidegger Research Series und von Gatherings und des Heidegger Circle Annual.

Sterben und Tod gehören zu den Grundphänomenen menschlicher Existenz. Doch was genau bedeutet es, dass Menschen sterbliche Wesen sind? Was bedeutet es, dass ich — als ich selbst — sterben muss? Und was bedeutet der Tod des Andere für mein eigenes Leben — und Sterben? Was bedeutet die “Technisierung” der menschlichen Existenz und wie kann man “menschlich” sterben? Diesen Fragen gehen Vortrag und Seminar in der Auseinandersetzung mit dem Denken Martin Heideggers und anderen phänomenologischen Zugängen zur Existenz des Menschen nach.

Michael Huppertz: Kann man das Leben üben? – Achtsamkeit zwischen Übungspraxis und Lebensgestaltung

NOVEMBER 2025

Achtsamkeit ist eine bewusste existenzielle Haltung und damit eine Form praktizierter Philosophie. Das Verständnis dieses Konzepts ist allerdings uneinheitlich und seine theoretische und praktische Plausibilität soll in diesem Vortrag diskutiert werden. Ein Vorteil der Achtsamkeit ist, dass sie gelernt und geübt werden kann. Das macht sie für Lebenskunst, Therapie und spirituelle Suche bedeutsam. Traditionell steht dabei die Übungspraxis unter ritualisierten Bedingungen im Vordergrund. Die Übungspraxis gilt bereits als der Ernstfall. Sie prägt auch die Ikonographie der Achtsamkeit, während die unmittelbare Umsetzung der Haltung im Alltag nur eine geringe Rolle spielt.

Die Betonung des Erlebens entspricht der Mentalität einer Erlebnisgesellschaft und wirft die Frage auf, wie ernstes den Vertretern der Achtsamkeit mit der Bewältigung konkreter individueller und gesellschaftlicher Herausforderungen ist. Wie lässt sich Achtsamkeit als Ernstfall jenseits von Einsicht und Übungspraxis vermitteln?

Peter Trawny: Weltanschauung bei Heidegger. Zum Verhältnis von Philosophie und Nationalsozialismus

NOVEMBER 2024

Ob Martin Heidegger eine spezifische Theorie der Gemeinschaft hat, ist die Frage. Er thematisiert in „Sein und Zeit“ das „Mitsein“ als wesensgemäß zum „Dasein“ gehörig, bleibt dabei methodisch korrekt bei formal- ontologischen Gesichtspunkten stehen. Erst in den Ausführungen zur „Geschichtlichkeit“ erscheint das „Mitsein“ konkret in „Volk“ und „Gemeinschaft“. Diese Konkretion intensiviert sich insbesondere in der Zeit um 1933, in der Heidegger einen Umschwung in der Lebensform des „Volkes“ zu erkennen meinte. In der Vorlesung „Logik als die Frage nach dem Wesen der Sprache“ fragt er nach einem aus dem „Mitsein“ entspringenden spezifischen „Wir“ als „Volk“. Der Begriff der „Volksgemeinschaft“ erscheint zwar nur einmal und dann auch noch polemisch; dennoch ist zu fragen, inwiefern sich Heidegger ihm annähert. In der Gestalt der „Sterblichen“ kehrt Heidegger womöglich zu einer formaleren Bestimmung des „Mitseins“ zurück. Interessant dabei wird sein, zu bedenken, was es bedeutet, dass Heidegger das „Menschenwesen“ als Plural denkt. Schließlich sollen die in den „Zollikoner Seminaren“ verstreuten Bemerkungen zum „Mitsein“ und vielleicht der „Leiblichkeit“ berücksichtigt werden, um zu sehen, wie er beide Phänomene in der „Daseinsanalyse“ zur Anwendung bringt.

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