Neues Curriculum ab 2026
Das Fachspezifikum des ÖDAI vermittelt durch sein Curriculum die Qualifikation zur umfassenden psychotherapeutischen Behandlung nach daseinsanalytischen Gesichtspunkten. Dies umfasst die Behandlung von Personen, die an biopsychosozial und psychodynamisch begründeten Störungen und Problemen leiden. Vermittelt wird insbesondere die Befähigung zur Durchführung der Einzeltherapie.
Die Ausbildung gliedert sich in folgende Bereiche:
Lehranalyse
Theoretische Ausbildung
Praktische Ausbildung
Supervision
Hier ein erster Überblick über das 2026 überarbeitete Curriculum:
I. Aufnahme
Die Aufnahme umfasst ein schriftliches Ansuchen über die Motivation für die Ausbildung, drei Aufnahmegespräche zur persönlichen Eignung und die Teilnahme an einem Blockseminar zur ersten Orientierung für die/den Bewerber:in.
1. Schriftliches Ansuchen
Das Ansuchen um Aufnahme in das Fachspezifikum ist schriftlich an die Ausbildungskommission des ÖDAI (ausbildung@daseinsanalyse.at) zu richten und umfasst:
einen ausführlichen Lebenslauf
ein Motivationsschreiben (1–2 Seiten), das sowohl
die persönliche Motivation und Bereitschaft für die psychotherapeutische Tätigkeit,
als auch die Entscheidung für die Methode der Daseinsanalyse darlegt
das Abschlusszeugnis des psychotherapeutischen Propädeutikums
gegebenenfalls den Zulassungsbescheid des Bundesministeriums (bei fehlendem Quellberuf)
2. Drei Aufnahmegespräche
Nach positiver Vorbegutachtung der Bewerbung führt die Bewerberin / der Bewerber drei Aufnahmegespräche mit drei Lehranalytiker:innen des ÖDAI.
Diese Gespräche dienen der Ermittlung der Eignung für eine daseinsanalytisch-psychotherapeutische Ausbildung. Der Fokus liegt dabei auf:
der persönlichen Eignung
der Eignung für eine psychodynamische Methode
der Fähigkeit zur Selbstreflexion
dem Verständnis von Verantwortung und therapeutischer Haltung
der Affinität zur daseinsanalytischen Denkweise und philosophischen Fragestellungen
der Motivation, insbesondere im Hinblick auf die Wahl der Daseinsanalyse
3. Teilnahme an einem Blockseminar
Vor dem eigentlichen Beginn der Ausbildung ist die Teilnahme an einem Blockseminar des ÖDAI verpflichtend. Dieses Seminar bietet Einblicke in Haltung, Ansatz und Arbeitsweise der Daseinsanalyse. Weiters ist auf diese Weise auch ein erster Einblick in die Rahmenbedingungen der Seminare am ÖDAI möglich und bildet einen gemeinsamen methodischen Einstieg.
4. Entscheidung über die Aufnahme in das Fachspezifikum
Die Entscheidung über die Aufnahme in das Fachspezifikum folgt einem zweistufigen Prozess:
Zustimmung der Lehranalytiker:innen: Die einstimmige Zustimmung aller drei an der Aufnahmekommission beteiligten Lehranalytiker:innen ist erforderlich.
Entscheidung durch die Ausbildungskommission (AK): Der Antrag auf Aufnahme wird nach positiver Abstimmung der Lehranalytiker:innen der Ausbildungskommission (AK) vorgelegt. Die AK trifft die finale Entscheidung über die Aufnahme des/der Kandidat:in.
Die Entscheidung bezieht sich ausschließlich auf die grundsätzliche Eignung. Inhalte einer zukünftigen Lehranalyse werden nicht thematisiert.
5. Schriftliche Rückmeldung
Die Bewerber:innen erhalten die Aufnahmeentscheidung der Ausbildungskommission innerhalb von zwei Wochen nach Abschluss der Aufnahmegespräche schriftlich.
II. Ausbildung
1. Lehranalyse:
Die Lehranalyse ist ein zentrales und konstitutives Element der Ausbildung. Sie begleitet den gesamten Ausbildungsprozess und dient der vertieften Auseinandersetzung mit dem eigenen Welt-, Selbst- und Mitsein sowie der Entwicklung einer verantworteten daseinsanalytischen Haltung.
Ziel der Lehranalyse ist es, das eigene Dasein in seinen Grundvollzügen verstehbar werden zu lassen, sodass die spätere psychotherapeutische Tätigkeit nicht instrumentell, sondern aus einem geklärten existenziellen Verständnis heraus erfolgen kann.
Die Lehranalyse beginnt nach der Aufnahme in das Fachspezifikum bei einer:einem vom ÖDAI anerkannten Lehranalytiker:in und findet im Einzelsetting statt. Der Mindestumfang beträgt 300 Stunden. Die tatsächliche Dauer richtet sich nach dem individuellen Entwicklungs- und Reifungsprozess der Ausbildungskandidat:innen und kann diesen Umfang überschreiten. Die Lehranalyse wird in Übereinkunft mit der/dem Lehranalytiker:in abgeschlossen.
Das konkrete Setting (Frequenz, Sitz- oder Liegesetting) orientiert sich am jeweiligen therapeutischen Prozess und wird fachlich begründet. Inhalte der Lehranalyse unterliegen strikter Vertraulichkeit und sind nicht Gegenstand formaler Bewertungen durch die Ausbildungskommission.
2. Theoretische Ausbildung (420 Stunden):
Die theoretische Ausbildung ist modular aufgebaut und umfasst insgesamt 420 Stunden. Sie dient der systematischen Vermittlung der philosophischen, anthropologischen, psychopathologischen und methodischen Grundlagen der daseinsanalytischen Psychotherapie.
Die theoretische Ausbildung gliedert sich in folgende Module:
Modul A: Existenzphilosophische und anthropologische Grundlagen (150 Stunden)
Modul B: Entwicklung, Persönlichkeit und Psychopathologie (80 Stunden)
Modul C: Methoden und Praxis der Daseinsanalyse (120 Stunden)
Modul D: Literatur- und Vertiefungsseminare (50 Stunden)
Modul E: Spezielle Seminare und berufliche Rahmenbedingungen (20 Stunden)
Die Teilnahme an den vorgesehenen Lehrveranstaltungen ist verpflichtend. Der Besuch wird in einem Testatheft dokumentiert. Bei begründeter Verhinderung ist das Fernbleiben schriftlich beim ÖDAI zu entschuldigen.
3. Praktische Ausbildung (1680 Stunden):
Psychotherapeutische Tätigkeit: Sie umfasst mindestens 900 Psychotherapiestunden selbständiger psychotherapeutischer Tätigkeit. Mindestens zwei Therapien müssen im Sinne einer Analyse über längere Zeit (z.B. sechs Monate) geführt werden.
Psychotherapeutisches Praktikum von mindestens 550 Stunden in einer im psychotherapeutisch-psychosozialen Feld bestehenden Einrichtung des Gesundheits- und Sozialwesens, davon zumindest 150 Stunden innerhalb eines Jahres in einer facheinschlägigen Einrichtung des Gesundheitswesens
5. Supervision (Einzel- und Gruppensupervision)
Die Supervision dient der Reflexion und Weiterentwicklung der psychotherapeutischen Tätigkeit, der Einübung daseinsanalytischer Haltung sowie der verantworteten Integration theoretischer, methodischer und persönlicher Aspekte der Behandlungspraxis.
Nach Erreichen des Status „Psychotherapeut:in in Ausbildung unter Supervision“ sind im Laufe der Ausbildung mindestens folgende Supervisionseinheiten zu absolvieren:
mindestens 200 Einheiten Supervision (gesamt), davon
mindestens 100 Einheiten Einzelsupervision, möglichst bei zwei verschiedenen Lehranalytiker:innen,
mindestens 100 Einheiten Gruppenkontrolle, möglichst bei zwei verschiedenen Lehranalytiker:innen,Supervisionseinheiten können nach Maßgabe der Ausbildungskommission auch bei Supervisor:innen anderer anerkannter psychotherapeutischer Schulen absolviert werden.
Zusätzlich sind 30 Stunden Praktikumssupervision bei einer:einem vom ÖDAI anerkannten Lehranalytiker:in zu absolvieren.
Die Supervision dient der fachlichen Orientierung und Qualitätssicherung. Inhalte der Supervision unterliegen der beruflichen Schweigepflicht und sind nicht Gegenstand formaler Leistungsbewertungen durch die Ausbildungskommission.
III. Diplomierung
Die Diplomierung stellt den Abschluss der Ausbildung im Fachspezifikum Daseinsanalyse dar. Sie dient dem Nachweis der fachlichen, methodischen und persönlichen Befähigung zur selbständigen Ausübung daseinsanalytischer Psychotherapie.
Für die Diplomierung sind folgende Leistungen zu erbringen:
1. Zwei schriftliche Arbeiten, die im Rahmen eines Seminars vorzutragen sind. Mindestens eine Arbeit soll eine länger dauernde daseinsanalytische Behandlung darstellen. Die zweite Arbeit kann ein theoretisches Thema im Zusammenhang mit einer Behandlung ausführen. Die Arbeiten sind spätestens 14 Tage vor der Präsentation in endgültiger, ausformulierter Fassung den Mitgliedern der Ausbildungskommission vorzulegen.
2. Eine Klausurarbeit, in der die schriftliche Auslegung und therapeutische Anwendung von Träumen dargestellt wird.
3. Ein Abschlussgespräch über Neurosenlehre, Psychosomatik und Psychotherapie.
4. Ein öffentlicher Vortrag im Rahmen einer wissenschaftlichen Konferenz oder Fachtagung oder
5. die Vorlage eines publizierten Textes in einem anerkannten wissenschaftlichen Medium.
6. Vorlage des vollständig ausgefüllten Testathefts sowie aller erforderlichen Nachweise über:
absolvierte theoretische Module und Lehrveranstaltungen,
Einzel- und Gruppensupervisionen,
das psychotherapeutische Praktikum,
sowie die Dauer der Lehranalyse.
Das Sammeln und Vorlegen dieser Nachweise obliegt der/dem Ausbildungskandidat:in. Das ÖDAI bietet bei Bedarf und im Einzelfall Unterstützung bei der Vervollständigung der Unterlagen an.
7. Bestätigung über den erfolgreichen Abschluss des psychotherapeutischen Propädeutikums.
8. Die schriftliche Zustimmung der/des Kontrollanalytiker:in.
Als Abschluss der Ausbildung und nach bestandener Prüfung erhalten die Kandidat:innen ein Diplom „Daseinsanalytische Psychotherapeutin“ oder „Daseinsanalytischer Psychotherapeut“
Bei konkreten Fragen zur Ausbildung, (Voraussetzungen, Curriculum, Kosten etc.) schreiben Sie bitte ein Mail an: